Wir gehen in die Cloud, wo ist das Problem?

Fünf grundlegende Schritte für eine erfolgreiche Nutzung der Cloud

German - Cillian Bane
Cillian Bane, April 12, 2018 12:00 pm
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Das folgende Szenario kommt Ihnen möglicherweise bekannt vor: Der CEO eines Unternehmens entscheidet sich aufgrund entsprechender Anfragen von Investoren dazu, mehr auf Cloud-Lösungen zu setzen. Der CTO schlägt daraufhin vor, Tausende von internen Applikationen innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren in die Cloud zu verlagern. Ein paar Jahre später haben es jedoch nur einige wenige Applikationen in die Cloud geschafft. Die Investoren sind dennoch zufrieden, schließlich taucht der Begriff Cloud nun regelmäßig in ihren Quartalsberichten auf.

Dieses Szenario zeigt, wie einfach Sie der Welt weismachen können, Sie wären nun mittendrin in der Cloud. Und seien wir ehrlich: Genau diese Strategie verfolgen viele Ihrer Wettbewerber.

Aber Sie und ich wissen, dass das nicht ausreicht. Fortschritte bei der Nutzung der Cloud führen nicht wirklich zu einer fundamentalen Transformation Ihrer IT. Die Bereitstellung einer kleinen Anzahl von digitalen Applikationen und der Einsatz von weiterhin mit den Legacy-Systemen verknüpften Open-Source-Technologien in einer Public Cloud stellen keine grundlegende Transformation Ihrer IT dar. Die Probleme bleiben die gleichen, Sie bieten lediglich andere Lösungen an.

Doch wie können Sie die Cloud so für Ihre Unternehmens-IT nutzen, dass diese direkte Auswirkungen auf Ihr Geschäftsergebnis hat? Nachfolgend möchte ich Ihnen fünf Ansätze aus der Praxis vorstellen, die weitaus nachhaltiger sind als die Strategien vieler Ihrer Wettbewerber.

1) Orchestrierung Ihrer Pipeline

In einem ersten Schritt sollten Sie ermitteln, welche Ihrer Geschäftsprozesse derzeit noch manuelle Eingriffe erfordern. An diesen Prozessen sind häufig verschiedene Abteilungen und Applikationen beteiligt und sehr wahrscheinlich erfolgt nur ein kleiner Teil davon bisher automatisiert.

Eine applikationsübergreifende Orchestrierung ist die erste wichtige Maßnahme, die ein Unternehmen auf dem Weg zu einer höheren Agilität und einer erfolgreichen Nutzung der Cloud ergreifen sollte. Der Umzug einer einzelnen Applikation in die Cloud ohne eine vorherige Orchestrierung des gesamten Geschäftsprozesses verschafft Ihnen keinerlei Wettbewerbsvorteile, da die durchzuführenden Aufgaben die gleichen bleiben und lediglich auf einer anderen Cloud-basierten Applikation durchgeführt werden.

Ein weiteres Problem, das es zu beheben gilt: Die Bereitstellung neuer IT-Umgebungen für Testzwecke, die in größeren Unternehmen mehrere Wochen dauern kann. Durch eine Orchestrierung dieses Prozesses, der unter anderem Lösungen für das Management von IP-Adressen, das Service-Management, die Speicherung von Daten sowie Firewalls, Hypervisoren etc. umfasst, können Sie neue Umgebungen innerhalb von Minuten bereitstellen. Eine weitere Optimierung erzielen Sie durch die Verlagerung von verschiedenen Komponenten in die Cloud.

2) Bereitstellung von Self-Services

Eine Orchestrierung Ihrer Pipeline ist ein guter Ausgangspunkt und eine optimale Basis, die meisten modernen Unternehmen setzen allerdings zusätzlich auf umfassende Self-Service-Portale für die unternehmensweite Entwicklung und Bereitstellung von Applikationen.

Indem Sie jegliche Funktionen als Self-Service verfügbar machen und sicherstellen, dass diese Bereitstellung vollständig automatisiert und orchestriert erfolgt, senken Sie die Leerlaufzeiten für Endnutzer. So können diese sich sicher sein, dass ihnen jegliche Services – wie beispielsweise die Bereitstellung einer bestimmten Infrastruktur für Performance-Tests – innerhalb von Minuten zur Verfügung stehen und der Test nahezu direkt gestartet werden kann. Auch die Bereitstellung einer bestimmten Version einer Applikation, der eine spezifische Infrastruktur zugrunde liegt, kann über Self-Services erfolgen, sofern vorher eine sorgfältige Orchestrierung erfolgt ist.

Die Einbindung von Self-Service-Portalen ermöglicht zahlreiche weitere Optimierungen, die bei einer bloßen Orchestrierung Ihrer aktuellen Pipeline nicht möglich wären und bietet die größtmöglichen Vorteile im Hinblick auf eine Beschleunigung des Lebenszyklus von Applikationen.

3) Plug and Play – Bedarfsgerechter Austausch von Komponenten

Unternehmen nutzen häufig Cloud-Lösungen von unterschiedlichen Anbietern. Für Entwickler macht es keinen Unterschied, ob ihnen eine Rechenressource über Amazon Web Services, Microsoft Azure oder eine andere Cloud zur Verfügung gestellt wird. Endnutzer benötigen lediglich die Ressource, es ist ihnen egal, wo diese ausgeführt wird.

In geschäftlicher Hinsicht kann dies jedoch schnell zu einem größeren Problem werden, da jede Lösung der Cloud-Anbieter auf einem anderen Kostenmodell, einem anderen Preis und einer anderen Performance basiert. Zudem unterscheiden sich die Sicherheitsprofile und der Reifegrad der Tools für das Infrastrukturmanagement zum Teil erheblich.

Eine effektive Orchestrierungsschicht ermöglicht Ihnen die Einbindung der verschiedensten Anbieter auf einer Plug & Play-Basis, während der gesamte Geschäftsprozess weiterhin optimal orchestriert wird. Bei einem Wechsel des Anbieters müssen Sie lediglich einen Teil des gesamten Prozesses austauschen. Gleichzeitig sorgt die Orchestrierungsschicht dafür, dass sich hierdurch keine negativen Auswirkungen für Business-Nutzer ergeben.

So können Unternehmen jeden beliebigen Cloud-Anbieter nutzen, Herstellerabhängigkeiten vermeiden und flexibel den Anbieter wechseln, sobald ein anderer bessere Service-Level-Agreements bietet.

4) Regelbasierte Entscheidungen

Setzt man sich weiter mit den erforderlichen Schritten auf dem Weg zu einer innovativen Nutzung der Cloud auseinander, stößt man unweigerlich auf den aufkommenden Trend der auf Algorithmen basierenden Entscheidungsfindung im IT-Bereich. So wie Menschen schon seit 100 Jahren Auto fahren und Computer erst jetzt in der Lage sind, Situationen zu beurteilen und Lenkmanöver, Beschleunigungen oder Gangwechsel zu übernehmen, verzeichnet auch der Bereich Cloud ähnliche Fortschritte, indem immer mehr IT-Entscheidungen auf Basis von Algorithmen getroffen werden.

Der nächste Schritt für eine innovative Nutzung der Cloud ist somit, es der Orchestrierungsschicht zu überlassen, auf welcher Plattform bestimmte Workloads ausgeführt werden. Durch die Modellierung von auf unterschiedlichen Kriterien basierenden Regeln können Sie festlegen, für welche Aktivitäten ein bestimmter Cloud-Anbieter genutzt werden soll. Verschiedene Kriterien sind möglich: die Kosten für bestimmte Ressourcen, die geografische Lage des Rechenzentrums und der Netzwerkverbindung, die erwartete Laufzeit des Workloads sowie diverse andere Faktoren.

Auch wenn es sich noch um eine sehr neue Entwicklung handelt, sollten Sie diese absolut ernst nehmen, da sie die gesamte IT-Landschaft in den nächsten 5 bis 10 Jahren grundlegend verändern könnte. Doch auch dieser Schritt ist ohne eine Orchestrierung nicht möglich, da eine Bewertung der auf dem gesamten Geschäftsprozess basierenden Regeln für unterschiedliche Anbieter ausschließlich über die Orchestrierungsschicht erfolgen kann. Diese Regeln, deren Definition letztendlich über die Algorithmen selbst erfolgen wird, werden Ihnen dabei helfen, die besten Möglichkeiten für Ihr Unternehmen zu nutzen.

5) Schaffung eines vollständig orchestrierten Cloud-Unternehmens

Beispiele für Unternehmen, die sich nicht weiterentwickelt haben, finden sich zuhauf: Toys R Us ist insolvent, Sears, Kmart, JC Penney's und Macy's schließen jedes Jahr hunderte von Geschäften. Diese Unternehmen sind alle im Einzelhandel tätig, aber glauben Sie bitte nicht, dass diese aktuelle Entwicklung vor anderen Branchen Halt machen wird. Das wäre wie die Filmindustrie, die glaubt, dass die Umwälzungen der Musikbranche ein Zufall waren.

Unternehmen, bei denen es bei einem Lippenbekenntnis bleibt, auf die Cloud umsteigen zu wollen, werden wie Toys R Us enden. Wohingegen Unternehmen, die die derzeitigen Veränderungen in der Cloud willkommen heißen, die Marktführer von morgen sein werden.

Wenn Sie die oben genannten Schritte umsetzen, können Sie Ihr Unternehmen revolutionieren. Machen Sie sich unabhängig von Cloud-Anbietern und wählen Sie stets die für Ihre aktuellen Anforderungen am besten geeignete Lösung. Eine Orchestrierungsschicht ist unerlässlich, um zwischen den zugrundeliegenden Technologien zu abstrahieren und ermöglicht es Ihnen letztendlich auf jeden beliebigen Cloud-Anbieter zurückzugreifen, ohne dass sich am Rest des Prozesses etwas ändert.

Zudem sind Sie mit einer Cloud-Orchestrierungsschicht bestens für den größten Wandel gerüstet, mit dem der IT-Bereich derzeit konfrontiert ist: der auf Algorithmen basierenden Entscheidungsfindung. Dieses durch die KI geförderte, auf Regeln basierende Framework für die Entscheidungsfindung wird es Unternehmen ermöglichen, bei neuen Entwicklungen stets vorne mit dabei zu sein, anstatt immer weiter abgehängt zu werden. So sind Sie in der Lage, immer die besten Entscheidungen zu treffen, sei es im Hinblick auf die Wahl der am besten geeigneten Cloud für ein bestimmtes Problem oder die Vermeidung von Herstellerabhängigkeiten.

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Cillian Bane

Cillian Bane ist als Senior Account Manager mit Sitz in London tätig. Mit fast zehn Jahren Erfahrung in der Software-Industrie, davon 4 bei Automic, verfügt Cillian über umfangreiche Kenntnisse zu Automation, SaaS, Cloud Computing sowie IT Service Management, um die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen voranzutreiben.